STIFTUNGSGUT

Vom Klosteraussenhof über Klostergut und Volksgut bis hin zum Stiftungsgut, der große Wirtschaftshof in unserer Ortsmitte besitzt eine interessante Historie, die hier in kurzen Passagen Erwähnung findet.
 
Im Jahr 1265 kaufte das Zisterzienserkloster Mariental bei Helmstedt Zehntrechte von 43 Hakenstedter Hufen, die als Grundlage für den späteren Klosterhofes angesehen werden können. In den beiden letzten Jahrzehnten des 13. JH setzten die Mönche ihre Erwerbsbestrebungen in Hakenstedt zügig fort, so daß ihnen schon bald alle Hakenstedter Flurstücke und Bauernhöfe gehörten. 
Zeitgleich erwarben sie 1293 drei Teiche im Selschen Bruch von Dönstedter Schencken, wo sie eine erfolgreiche Fischzucht etablierten. Zudem nutzten sie auf dem großen Seelschen See fast 200 Hektar als ertragreiches Fanggebiet. 

Für ihren Wirtschaftshof legten die Zisterzienser drei Bauernhöfe zusammen, die zum Klosteraussenhof verschmolzen. Den mittleren Hof schenkte ihnen 1289 Bischof Volrad von Halberstadt. 
Für eine Straße, die ursprünglich vom östlichen zum westlichen Tor über den Hof verlief, erteilte ihnen der Bischof die Genehmigung zur Umverlegung.
 
Zu den erworbenen Hakenstedter Grundstücken gehörte auch das verfallene Schloss mit Ländereien. Das Gebäude selber stand einst im Umfeld der Kirche und war schon mehrere Jahrzehnte unbewohnt. 
Neben der gesamten Hakenstedter Flur, brachten die Mönche auch die komplette Dodendorfer Flächen in ihren Besitz.   

Mit ihrer rabiaten Erwerbspolitik zu Beginn des 13. JH verdrängten die Zisterzienser sämtliche Bewohner aus Dodendorf, wie auch fast alle aus Hakenstedt, so daß unser Ort 1312 als menschenleer galt. Deshalb erlaubte der Halberstädter Bischof Albrecht den Abriss der kleinen, ungenutzten Kapelle. Die Mönche verzichteten darauf und integrierten 1317 die Kirche in ihren Klosterhof, womit das Patronatsrecht damals die Gutsverwaltung erhielt und bis heute besitzt.
 
Wegen mehrerer Schlechtwetterperioden und Epidemien, die Mitte des 14. JH in ganz Europa grassierten, mussten die Mönche ihre Eigenbewirtschaftung umstellen. Weil viele Menschen dahingerafft wurden, verfügte das Kloster nicht mehr über genügend Arbeitskräfte. Deshalb erhielten neue Bauernfamilien Land sowie leerstehende oder neue Bauernhöfe, die im direkten Umfeld des Wirtschaftshofes entstanden. Hier waren bis zum Zweiten Weltkrieg die größten Hakenstedter Bauernhöfe vorzufinden.
 
Neben Bewirtschaftung von zugewiesenen Flurstücken hatten Bauern zusätzliche Leistungen und Dienstleistungen für den Klosterhof zu erbringen, womit der Klosterhof eine doppelte Effektivität realisierte. Eigene Anbauflächen waren geschrumpft, Aufwand an und für Personal und Materialeinsatz verringert, und zusätzlich standen nun fest zu kalkulierende Einnahmen und Leistungen zur Verfügung, die Bauern erbringen mussten.   
 
Mitte des 16. Jahrhunderts führte ein großer gesellschaftlicher Umbruch zur Beendigung der 250jährigen zisterziensischen Ära in Hakenstedt. Die Anwesenheit der Zisterzienser hinterließ bis heute in Hakenstedt prägende Zeichen, die immer noch davon künden. 
So geht die Neuerrichtung unseres Kirchenschiffes mit dem aktuellen Grundriss auf Zisterzienser zurück. Gleiches gilt für die noch aktive große Glocke von 1501, sowie für die aus 1526 stammende größere Kirchenglocke, die zu Ostern 1900 zersprang. Beide Glocken haben mit der Neuweihe der Kirche und dem 25jährigen Jubiläum zu tun.
 
Mehrfache Besitzerwechsel standen bis 1618 an, als Mariental den Hof durch Kauf wieder in eigenen Besitz bekam, und ihn seit dem durch bürgerliche Pächter verwalten läßt
Kurzzeitige Unterbrechungen in der napoleonischen Zeit und die gut vier Jahrzehnte sozialistischer Wirtschaftspolitik sind bei einer Historie von mehr als 730 Jahren Existenz zu vernachlässigen.
 
Seit der Rückübertagung 1992 an die Braunschweig-Stiftung, verwaltet diese das Stiftungsgut und übt das Patronatsrecht für "St. Marien" aus. Der bauliche Zustand des Stiftungsgutes hat seit dem eine sehenswerte Runderneuerung erfahren, auch die Kirche profitierte für umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen vom finanziellen Engagement der Braunschweig-Stiftung.
(aktualisierte Version: 11/2022 B. G.)

 

 

 

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